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Wer auf den Schiedsrichter
schimpft, der hat das Spiel nicht begriffen.
So einfach ist das im Eishockey. Die Unparteiischen werden nämlich oft
und vor allem unnötigerweise zum Sündenbock abgestempelt. Aber die Frauen
und Männer mit den schwarz-weiß gestreiften Hemden wollen sich als Spielleiter
und Sportler verstanden wissen, die nur für eine reibungslose Spielabwicklung
sorgen. Sie sind so etwas wie der Spielmanager. Um das gewährleisten zu können
mussten sich auch die Regelhüter wie ein Spieler einer intensiven Vorbereitung
unterziehen. Bei vier viertägigen Lehrgängen im Bundesleistungszentrum in Füssen
wurden insgesamt 169 Haupt- und Linien-Schiedsrichter, 15 Beobachter, je zwei
Teilnehmer aus Ungarn und der Schweiz sowie zwei Obleute aus den Landesverbänden
geschult. Unter den Teilnehmern befanden sich 28 Neulinge, so viele wie noch nie,
was für die verbesserte Nachwuchssituation im Schiedsrichterwesen spricht.
Unter den Neulingen war mit Markus Schütz auch ein ehemaliger Spieler. Vieles
drehte sich bei den Schulungen um das 1,83 Meter breite und 1,27 Meter hohe
Eishockey-Tor. Bestens vorbereitet wurden die Lehrgänge vom Schiedsrichter-Ausschuss
des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) unter der Führung von Obmann Gerhard Lichtnecker,
Gerhard Müller, Stefan Trainer, Holger Gerstberger und Mike Strobl. Im Rahmen der
Lehrgänge wurde bereits im fünften Jahr die Leistungsdiagnostik durch Dr. Andreas
Martinschek vom Universitätsklinikum in Mannheim mit Team durchgeführt. Neben
sportartspezifischen Tests zur Kraft, Koordination, Kraftausdauer, Schnelligkeit und
Beweglichkeit wurde auch die Ausdauerleistungsfähigkeit der Schiedsrichter mittels
eines Lactat- und kardiovaskulärem Funktionstest überprüft und individuelle
Trainingsempfehlungen ausgesprochen. Der Lactattest wird zweimal pro Jahr vorgenommen,
vor der Saison und vor den Play-offs. Seit Einführung der sportmedizinischen Messungen
zieht Dr. Martinschek ein positives Fazit: „Die körperliche Leistungsfähigkeit der
Schiedsrichter hat sich erneut deutlich verbessert.“ Die Unparteiischen sind bestens
gerüstet. Auch die 28 Neulinge haben einen vielversprechenden Eindruck hinterlassen.
Durch intensive Testverfahren gelingt es frühzeitig, geeignete Kandidaten zu identifizieren
und Trainingsfortschritte festzuhalten. Der Schweizer Eishockeyverband habe bereits eine
Anfrage zur Übernahme des Testverfahrens gestellt. Die Regelkunde nahm wieder breiten Raum
ein, die Regelreferent Müller bestens vorbereitet hatte. Videobeispiele unterstützten die
Schulung. Zahlreiche Regeländerungen und Modifizierungen wurden erläutert. Hier die
wichtigsten im Kurzüberblick:
- In der neuen Saison läuft die Uhr immer rückwärts.
Damit soll in der Endphase der Drittel ermöglicht werden, dass Nachkommastellen bei den letzten
Spielsekunden angezeigt werden können.
- Verliert ein Spieler seinen Helm, so muss er
sofort das Eis verlassen.
- Die Wechselzone an den Spielerbänken ist von drei auf 1,50
Meter reduziert worden.
- Die kleine Bankstrafe wird nicht mehr von irgendeinem Spieler
abgesessen, sondern von einem Spieler, der im Moment des Regelverstoßes auf dem Eis war.
- Der Penalty muss vom Gefoulten ausgeführt werden. Bei Verletzung kann ein Ersatzmann
benannt werden, der aber zum Zeitpunkt der Unterbrechung auf dem Eis gewesen sein muss.
- Wird eine kleine Strafe gegen das Unterzahlteam angezeigt und ein Tor erzielt, dann erlischt
die laufende Strafe. Die angezeigt Strafe kommt in die Uhr.
- Liegt ein Spieler verletzt
auf dem Eis, darf ein Arzt oder Betreuer ohne Einladung des Schiedsrichters das Eis bei
Spielunterbrechung betreten.
Regelreferent Müller ist mit den Ergebnissen der Teilnehmer sehr
zufrieden. „Der Ausbildungsstand unserer Schiedsrichter ist ein sehr guter. Unsere Leute haben
die Basis, um optimale Spielleitungen abliefern zu können. Gleichwohl besteht immer ‚Luft nach
oben’.“ Neu ins Schulungsprogramm aufgenommen wurde das Thema
„Life Kinetik“.
Diplomsportlehrer Horst Lutz erklärte die Kombination aus Wahrnehmung, Gehirnjogging und Bewegung,
die zu mehr Leistung verhilft. Ein Beispiel dafür, dass die Referees nach neuesten Methoden
unterrichtet worden sind und ihnen Hilfsmittel an die Hand gegeben werden, um ihren Job optimal
ausüben zu können. Geübt und geschult wurde aber nicht nur in der Theorie. Auch in der Praxis
auf dem Eis mussten die Schiedsrichter ihre Fertigkeiten unter Beweis stellen. Hier hatte Mike
Strobl ein umfangreiches Programm für die Teilnehmer zusammengestellt. Erfreulich war auch,
dass die beiden deutschen Profi-Schiedsrichter Daniel Piechaczek und Georg Jablukov die
Eisarbeit hervorragend unterstützt haben. Das Fazit der Vorbereitung fasst Obmann
Lichtnecker zusammen: „Die erzielten Ergebnisse waren sehr gut. Unsere Schiedsrichter haben
sich weiter verbessert. International haben wir einen sehr hohen Level erreicht.“
Die Unparteiischen haben einen sehr guten Standard erreicht. Die deutschen
Eishockey-Schiedsrichter gehen gut gerüstet in die Saison 2010/11.
Quelle DEB-SRA, Dirk Meier
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